Globale Bedrohung der Korallenriffe: MSC Foundation fördert umfangreichen Bericht zu Rettungsmaßnahmen

01. September 2026  Rebecca Wohland 
Unterwasser Foto von Korallen im Vordergrund, 2 Taucher im Hintergrund

Die Zeitspannen für die Regeneration von Korallenriffen werden immer kürzer, da marine Hitzewellen infolge steigender globaler Temperaturen häufiger und intensiver auftreten. Darauf weist der von der MSC Foundation geförderte Bericht „Status of Coral Reefs of the World: 2025“ des Global Coral Reef Monitoring Network (GCRMN) hin. Der bislang umfassendste globale Report macht das Ausmaß des Verlusts deutlich: Verglichen mit dem Durchschnitt der Jahre 1980 bis 2009 ging die Hartkorallenbedeckung weltweit relativ um 9,5 Prozent zurück, wobei die massivsten Einbußen auf meeresbedingte Hitzewellen und großflächige Bleichereignisse zurückzuführen sind.

Um irreversible Schäden abzuwenden, besteht dringender Handlungsbedarf. Daten aus verschiedenen Regionen zeigen jedoch, dass Erholung und Stabilität der Riffe möglich sind, wenn lokale Belastungsfaktoren konsequent reduziert werden. Als entscheidend erweisen sich dabei wissenschaftlich fundierte Schutzmaßnahmen und eine langfristige Beobachtung. Mit mehr als 21 Millionen Einzelbeobachtungen an knapp 40.000 Riffstandorten stützt sich die Analyse von 2025 auf das Zehnfache des Datenvolumens von 2020. Damit nutzt das GCRMN seinen bisher größten Datensatz und demonstriert eine beispiellos ausgebaute internationale Zusammenarbeit.

Dennoch liefern die Ergebnisse auch eine positive Perspektive. Wie Beispiele aus mehreren Gebieten belegen, sind Riffe durchaus zur Selbstheilung fähig, wenn man sie auf lokaler Ebene wirksam entlastet. Das Mindern von Gefahrenquellen – darunter Wasserverschmutzung, Raubbau durch Fischerei, Bautätigkeiten an der Küste oder Fressfeinde – schützt die Riffe vor den Folgen von Bleichereignissen und kräftigt ihre Regenerationsfähigkeit. Für Entscheidungsträger in der Politik zeigt sich: Durchdachtes Handeln vor Ort führt zu nachweisbaren Fortschritten.

Meilenstein für die internationale Korallenforschung

Die Analyse fußt auf weltweiten Erhebungen aus vier Jahrzehnten und bündelt 21,1 Millionen Datenpunkte von 36.886 Riffabschnitten. Damit übertrifft sie den Bericht von 2020 um mehr als das Zehnfache – zusammengetragen von über 600 globalen Partnern und zahlreichen Überwachungsnetzwerken. Dieser gewaltige Wissensschatz macht Langzeitentwicklungen der Riffe greifbar: Forschende können Trends sowie deren Auslöser nachvollziehen, Regionen gegenüberstellen und Brennpunkte von Verfall oder Erholung punktgenau verorten. Politischen Stellen dient das Werk somit als fundierte Orientierung, um Gefahren abzuwägen und Schutzkonzepte maßgeschneidert vor Ort umzusetzen.

Dr. Manuel González Rivero, Hauptautor des Berichts, erklärt: „Unser Bericht liefert die bislang umfassendste Bewertung des Zustands der weltweiten Korallenriffe. Die Botschaft ist eindeutig: Regierungen müssen dringend wissenschaftlich fundierte politische Maßnahmen und Managementansätze umsetzen. Der wirksamste Weg, Korallenriffe zu schützen, besteht in einer schnellen Emissionsreduzierung, konsequenten Maßnahmen gegen lokale Belastungen und einem kontinuierlichen langfristigen Monitoring. Nur so können Schutzmaßnahmen gezielt dort ansetzen, wo sie die größte Wirkung entfalten.“

Wissenschaftliche Meeresforschung und gezielte Schutzmaßnahmen stehen im Zentrum mehrerer Initiativen der MSC Foundation. Dazu zählt das Super Coral Reefs Programme auf den Bahamas, das am Marine Conservation Center auf Ocean Cay die Aufzucht von Korallen mit Aufklärungsarbeit und Forschung verbindet. Neben der Co-Finanzierung des aktuellen GCRMN-Reports im Rahmen der International Coral Reef Initiative (ICRI) brachte die Stiftung eine Fallstudie in das Werk ein. Darin präsentiert sie ihre Arbeit zur Bekämpfung von Korallenerkrankungen, Monitoring-Aktivitäten, Restaurierungsprojekte sowie wissenschaftliche Partnerschaften.
Daniela Picco, Executive Director der MSC Foundation äußert sich: „Wir sind stolz darauf, zu dieser außergewöhnlichen globalen wissenschaftlichen Initiative beigetragen zu haben. Korallenriffe senden uns eine klare Botschaft: Diese lebenswichtigen Ökosysteme stehen weltweit unter zunehmenden Druck. Wir sind deshalb fest davon überzeugt, dass Investitionen in Forschung und Monitoring entscheidend sind, um Restaurierungsmaßnahmen vor Ort gezielt zu unterstützen. Die Entscheidungen, die wir heute vor Ort treffen, können die globale Zukunft dieser lebenswichtigen Ökosysteme maßgeblich beeinflussen.“

Kaum ein Lebensraum ist so dicht besiedelt: Korallenriffe bedecken zwar bloß 0,2 Prozent des Meeresbodens, beherbergen jedoch mehr als ein Viertel aller Spezies im Ozean. Zudem bilden sie die Existenzgrundlage für rund eine Milliarde Menschen und erbringen Ökosystemdienstleistungen mit einem geschätzten Marktwert von bis zu 9,9 Billionen US-Dollar im Jahr. Neben ihrer Pufferfunktion für Küstenstreifen liefern die Riffe wertvolle bioaktive Wirkstoffe, die in der Pharmazie und der Medizinforschung genutzt werden.

Karibik und Bahamas

Laut den Daten des GCRMN-Berichts verzeichnet die Karibik einen besonders massiven Einbruch der Korallenbestände. Hauptursache für die hohen Verluste sind extreme marine Hitzewellen sowie das Auftreten von Krankheiten. Insbesondere die Ausbreitung der Stony Coral Tissue Loss Disease (SCTLD) raffte in weiten Teilen der Region unzählige Korallen dahin. Erschwerend kommen ein steigendes Hurrikan-Risiko, zunehmende Umweltverschmutzung, Überfischung und gebietsfremde Arten hinzu. Für die Bahamas zeichnet der Report ein abweichendes Szenario: Dort stagnierte die ohnehin geringere Korallendichte in den 1990er-Jahren zunächst auf konstantem Niveau, bevor in den 2000er- und 2010er-Jahren ein schrittweiser Abwärtstrend einsetzte.

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