
Wie fühlt sich eine Reise auf dem aktuell größten Kreuzfahrtschiff der Welt an? Oh Boy – wo sollen wir da nur anfangen? Vielleicht bei den Dimensionen, die Bilder und Videos nur ansatzweise transportieren können. Bei einer der unglaublichen Shows eventuell? Oder bei der Livemusik? Alternativ im Wasserpark. Oder bei diesem einen Moment, wenn man inmitten eines Parks zwischen echten Bäumen und Pflanzen steht. Nachdem drei Kollegen das neueste Flaggschiff von Royal Caribbean im Juni getestet hatten, durften wir dann im August an Bord. Fünf Tage lang waren wir im Rahmen des Seminar at Sea auf der Legend of the Seas im Mittelmeer unterwegs. Die fünftägige Kreuzfahrt führte von Barcelona über Palma de Mallorca und La Spezia nach Civitavecchia. Gemeinsam mit rund 550 Reiseprofis aus Europa, dem Nahen Osten und Afrika nahmen wir an Workshops teil und lernten das brandneue Schiff aus fachlicher sowie privater Perspektive kennen.
Bei den Schulungen ging es unter anderem um die unterschiedlichen Erlebnisbereiche, die gastronomische Vielfalt sowie die Kabinen und Suiten an Bord der Legend of the Seas. Training Manager EMEA Kristi Reeser und ihr Team stellten ferner die weiteren Königsschiffe der Reederei mit den aktuellen Fahrtgebieten vor und informierten über die privaten Destinationen von Royal Caribbean sowie zukünftige Pläne. Ein Schiff wie die Legend of the Seas lässt sich natürlich nicht nur von einem Konferenzraum aus kennenlernen, sondern benötigt viele viele Schritte auf der Smartwatch. Also rein ins Abenteuer: Decks erkunden, Essen testen in facettenreichen Foodspots, Shows bestaunen oder ganz einfach vom Bordleben treiben lassen. Die Legend of the Seas ist kein Schiff, das sich bei einem kurzen Rundgang vollständig erschließt. Zu unterschiedlich sind die einzelnen Bereiche und ihre Stimmungen. Während es auf den oberen Pooldecks samt Wasserpark, im Surfside Familienbereich und auf der Royal Promenade lebhafter zugeht, wirft der Central Park die entschleunigende Komponente in die Waagschale. Mit mehr als 30.000 echten Pflanzen, verschiedenen Sitzmöbeln und Gastroangeboten bildet die Outdoor-Grünfläche im Herzen des Schiffs einen ruhigen Gegenpol zu den belebteren Bereichen des Schiffes.
Langeweile ist auf der Legend of the Seas tatsächlich schwer vorstellbar – und wir haben an Bord auch kein Kind oder keinen Jugendlichen diesbezüglich je lamentieren hören. Wer abwechslungsreiche und actiongeladene Freizeitangebote schätzt, wird mit dem größten Schiff der Welt den perfekten Partner in Crime finden. Sechs Wasserrutschen, Eislaufbahn, Surfsimulator oder Sportangebote für Groß und Klein: Der Royal Caribbean Neuzugang versammelt an Bord allerhand Attraktionen, die man auf einem klassischen Kreuzfahrtschiff nicht unbedingt erwarten würde. Wir zumindest können nun Schlittschuh laufen auf dem offenen Meer von unserer Bucket-Liste streichen… Das Unterhaltungsangebot ist groß und stellenweise bewusst spektakulär inszeniert. Man muss jedoch nicht ständig von einem Programmpunkt zum nächsten hetzen. Uns gefiel besonders, dass es trotz der vielen Attraktionen auch Bereiche gibt, in denen man einfach sitzen, aufs Meer schauen oder das Geschehen aus etwas Entfernung beobachten kann. Ein Beispiel dafür ist der AquaDome. Durch seine großen Glasflächen verbindet er eindrucksvolle Ausblicke mit Gastronomie und Unterhaltung. Je nach Tageszeit wirkt derselbe Bereich vollkommen anders: tagsüber hell und weitläufig, abends avanciert er zur Eventlocation des Shockwave Aquatheaters. Wem tatsächlich mal die Ideen ausgehen: In der Gäste-App sind zudem täglich Programmoptionen aufgeführt, die sich auf ruhigere, aber nicht weniger unterhaltsame Aktivitäten konzentrieren. Ob Songs raten, Schiffsrallye, Karaoke singen oder Quizspiele: Die Bandbreite an Möglichkeiten, um einen Urlaubstag auf dem neuesten Schiff der Icon-Klasse zu füllen, sind umwerfend.
Auch kulinarisch ist die Auswahl kaum an nur einem Tag zu bewältigen. Insgesamt bietet die Legend of the Seas mehr als 30 unterschiedliche Bar- und Dining-Konzepte – von schnellen Snacks und unkomplizierten Mahlzeiten bis zu aufwendig inszenierten Spezialitätenrestaurants. Viele Angebote sind bereits im Reisepreis enthalten, andere kosten einen Aufpreis. Das AquaDome Market Restaurant auf Deck 15 (geöffnet bis Mitternacht) gehört zu einem unserer Favoriten. In der Food Hall mit Live-Cooking-Stationen können unterschiedliche internationale Gerichte und Snacks probiert werden, ohne dass sich alle am Tisch auf dieselbe Küche einigen müssen. Die dazugehörige Crêperie im AquaDome Market hat uns jedenfalls als feste Stammgäste gewonnen. Kombi aus Dinner und Show: Ein deutlich stärker inszeniertes Erlebnis bietet das aufpreispflichtige Spezialitätenrestaurant Royal Railway – Legend Station. Kulisse, Geräusche und Projektionen erzeugen den Eindruck einer historischen Zugreise. Neben solchen besonderen Angeboten gehören für uns aber auch die unkomplizierten Momente zu einer Kreuzfahrt: morgens mit Blick aufs Meer frühstücken (das Continental Breakfast ist beispielsweise im Reisepreis inkludiert und wird zur gewünschten Uhrzeit auf die Kabine gebracht), zwischendurch eine Kleinigkeit essen oder den Abend bei einem Getränk und Livemusik bei Dueling Pianos ausklingen lassen. Wer es liebt, das rege Treiben auf einem Schiff zu beobachten, bezieht einen gemütlichen Sessel in der Schooner Bar oder wirkt mit einem heißen Cappuccino dem Nachmittagstief im Pearl Café entgegen – inklusive Panoramablick auf das Meer.
Bei all den Möglichkeiten an Bord wollten wir natürlich auch einen klassischen Landgang nicht auslassen. In La Spezia entschieden wir uns gegen ein straffes Ausflugsprogramm und erkundeten die ligurische Hafenstadt auf eigene Faust. Wegen Bauarbeiten im Hafen lag die Legend of the Seas vor La Spezia auf Reede. Über die App konnten wir vorab eine Startzeit für den Landgang auswählen. Der Tenderverkehr war gut organisiert, und die Boote verkehrten regelmäßig zwischen Schiff und Hafen. La Spezia bildet einen beliebten Ausgangspunkt für Ausflüge zu den Dörfern der Cinque Terre, nach Pisa oder Florenz. Nach den vielen Eindrücken an Bord tat es gut, die Altstadt sowie Palmenpromenade ohne festen Zeitplan zu erkunden. Wer von La Spezia aus einen Abstecher in die Kunstmetropole Florenz plant, sollte sich einen Platz bei einem organisierten Gruppenausflug reservieren. Auf eigene Faust könnte es knapp werden: Die schnellsten Zugverbindungen benötigen etwa eineinhalb Stunden. Mit dem Weg vom Hafen zum Bahnhof, möglichen Umstiegen und ausreichend Sicherheit für die Rückkehr zum Schiff wird daraus schnell ein ganztägiger Ausflug. Für einen entspannten Landgang sind La Spezia selbst, Portovenere oder die näher gelegenen Orte der Cinque Terre daher oft die unkompliziertere Wahl.
Nach fünf Tagen stand für uns fest: Die Legend of the Seas ist weit mehr als nur ein besonders großes Kreuzfahrtschiff. Sie vereint unterschiedliche Urlaubswelten – manchmal lebhaft, laut und spektakulär, an anderen Stellen überraschend grün, leger und entspannt. Genau in dieser Balance liegt ihre Stärke, aber auch die Herausforderung. Wer möglichst viel erleben möchte, findet an Bord des neuesten Royal Caribbean Schiffs eine enorme Auswahl. Wer kleine, ruhige und schnell überschaubare Kreuzfahrtalternativen bevorzugt, könnte sich von den Dimensionen und dem umfangreichen Programm überwältigt fühlen. Das „Seminar at Sea“ gab uns einen guten fachlichen Überblick. Alles konnten wir in dieser kurzen Zeit längst nicht erleben. Aber vielleicht gehört genau das zu einer Reise auf der Legend of the Seas: Selbst nach fünf Tagen bleiben noch genügend Orte, Restaurants und Erlebnisse, die bei der nächsten Kreuzfahrt an Bord des größten Schiffs der Welt entdeckt werden wollen.